Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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Im September wurden Mitarbeiter der Rosgwardija und anderer Sicherheitsstrukturen aus Tschetschenien in den Krieg in der Ukraine geschickt. Sie schickten sogar Streifenpolizisten. Gewöhnliche Kadyrowzy (informelle Bezeichnung der Mitarbeiter der Sicherheitsstrukturen in Tschetschenien — Anm. d. Red.) wollten nicht besonders kämpfen fahren. Sie begannen neue zu suchen — es gab nicht genug nicht nur in Bataillonen, sondern schon in gewöhnlichen örtlichen Sicherheitsstrukturen.
Als die Gegenoffensive der Ukraine begann und als nach Tschetschenien Särge mit Sicherheitskräften zu kommen begannen, gerieten Mütter und Frauen der Kadyrowzy in Panik. Sie begannen Anrufe an Kadyrow zu schreiben, damit ihre Männer und Söhne nicht in die Ukraine geschickt werden. Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen umgekommen sind, sie (die Behörden Tschetscheniens — Anm. d. Red.) verbergen die Zahlen, aber für Tschetschenien eine große Anzahl, und außerdem gerieten viele Kadyrowzy in Gefangenschaft.
Aufrufe der Mütter wurden ignoriert, und Mitte September gab es eine große Verschickung [an die Front]. Als sie sie verabschiedeten, verfluchten Verwandte, Mütter, Frauen, Schwestern direkt Kadyrow, schrien offen, weinten.
Gewöhnliche Kadyrowzy werden dort zur Schlachtbank geworfen, und die Kadyrow nahestehenden Kommandeure lässt man im Hinterland. Wer nicht [fahren] will, dem gibt man so eine „Wahl“: entweder fahrt ihr in die Ukraine und kehrt nach 2-3 Wochen mit Auszahlungen zurück, oder wir werden euch in Kellern foltern.
Nach den ersten Verschickungen begann Kadyrow von „Selbstmobilisierung“ zu sprechen. Damals beunruhigten sich schon die gewöhnlichen Bewohner, die gewöhnlichen tschetschenischen Frauen, die sich Sorgen machten, dass ihre Söhne, Kinder, Brüder auch in die Ukraine geführt werden. Es begannen spontane Diskussionen über Proteste, Panik. Frauen begannen in ihren Eltern-, Mütter-Chats in WhatsApp, in Instagram zu schreiben, dass man hinausgehen muss, dass sie gegen die Mobilisierung sind, gegen den Krieg, und so gelitten haben.
Vor diesem Hintergrund postet Kadyrow noch Videos seiner Residenz, wie seine Kinder in Dubai sich erholen, wie in Grosny ein Konzert geplant wird. Stellt euch vor: eure Söhne werden zur Schlachtbank geschickt, und Kadyrow ruht in dieser Zeit in seiner Residenz.
Und die Frauen gingen auf den Platz neben der zentralen Moschee in Grosny. Die Kundgebung war für 10 Uhr morgens [am 21. September] geplant. Zu dieser Zeit war der ganze Platz abgesperrt. Frauen, die früher kamen, holte man sofort, stopfte sie in Busse und brachte sie weg. Manche saßen einfach auf Bänken neben der Moschee, sie brachte man auch weg.
Ich denke, dass für Tschetschenien das der größte Protest der letzten Zeit ist. Fast alle wurden geholt und in das Bürgermeisteramt von Grosny gebracht, wo Frauen persönlich vom Parlamentspräsidenten Magomed Daudow verhört wurden. Älteren wurde es schlecht, viele wurden bis zur Nacht festgehalten, manche wurden freigelassen, dann wieder geholt. Manche wurden zu separaten Verhören geführt, schrien sie mit Schimpfworten an, drohten.
Kadyrow sagte, dass diese Frauen vom Westen bezahlt seien. Sie brachten ins Bürgermeisteramt Brüder, Söhne, Männer dieser Frauen. Zwangen sie, Dokumente zu unterschreiben, dass sie als Freiwillige in die Ukraine fahren. Sie erpressen, dass wenn sie sich nicht als Freiwillige eintragen, lassen sie die Frauen nicht frei. Am nächsten Tag brachte man sie auf einen Militärübungsplatz in Gudermes zu Übungen, manche wurden in Gefängnisse geschickt.
[Dabei] bin ich sicher, dass eine vollwertige Mobilisierung in Tschetschenien nicht durchgeführt wird. Das ist für die Macht unvorteilhaft. Stellt euch vor: ein gewöhnlicher Mensch, lange schon mit Kadyrow unzufrieden, mit all diesen Foltern in Tschetschenien — wird ausgebildet, ihm wird eine Waffe gegeben, vollständig ausgerüstet. Dieser Mensch wird nicht in die Ukraine fahren, er wird vor Ort zu kämpfen beginnen.
Sie werden Waffen an Menschen verteilen, die gegen diese Besatzungs-Kadyrow-Macht sind, die Menschen werden nur froh sein. Mir wird ständig geschrieben: „Wir haben jetzt keine Waffen, keine Möglichkeiten, soll Kadyrow wirklich die Mobilisierung verkünden“. Und der Kreml weiß das.
Der Kreml wird den zweiten Fehler nicht zulassen, den er in Sowjetzeiten zugelassen hat. Derselbe Dschochar Dudajew (erster Präsident der nicht anerkannten Tschetschenischen Republik Itschkerien — Anm. d. Red.), Aslan Maschadow (ehemaliger Präsident Itschkeriens, in den frühen 1990ern leitete er die Kampfhandlungen der Streitkräfte der TRI gegen föderale Streitkräfte — Anm. d. Red.) waren ja gerade Militärangehörige, Generäle, Obersten der Sowjetarmee.
Im Frühjahr schickte man in die Ukraine die erste Partie Kadyrowzy-Freiwilliger. Also, der stellvertretende Innenminister befahl seinen Mitarbeitern, diese Freiwilligen zu beobachten, plötzlich bringen sie Waffen mit zurück.
Jetzt können sie schicken, die Männer der protestierenden Frauen einfach als Strafe kämpfen zu lassen. Aber nach unserer Erfahrung wird man sie tatsächlich nirgendwohin bringen. Sich selbst so viele eigene Feinde zu bewaffnen? Nein, natürlich. Man wird in Kellern foltern oder zu irgendwelchen Arbeiten schicken.
Die russischen Medien präsentierten es zu Beginn des umfassenden Krieges so, als hätte fast Tschetschenien die Ukraine angegriffen. Im Gegenteil, viele Tschetschenen kämpfen in verschiedenen Trupps der Streitkräfte der Ukraine auf der Seite der Ukraine. Vor kurzem nahm das Bataillon namens Dschochar Dudajew an der Befreiung von Isjum teil.
Seit dem 24. Februar hat sich für die gewöhnliche Bevölkerung Tschetscheniens fast nichts geändert: dieselben Entführungen, dieselbe Armut. [Im Gegenteil, ] es wurde etwas leichter, weil Särge mit Kadyrowzy ankommen. Viele Menschen in Tschetschenien freuen sich, weil unter den Kadyrowzy, die in Särgen zurückgekehrt sind, Menschen sind, die Verwandte gewöhnlicher Bürger gefoltert haben. Wir freuen uns nur, dass sie eine Niederlage erleiden.
Und für die Kadyrowzy, für ihre Familien hat sich vieles geändert, besonders nach der Gegenoffensive der Ukraine. Kadyrow begann, die Zustimmung sogar unter seinen Sicherheitskräften zu verlieren.
Den Frauen ernsthaft zu schaden wird Kadyrow höchstwahrscheinlich nicht wagen. Weil es unter ihnen viele Mütter von Kadyrowzy gibt, die jetzt in der Ukraine kämpfen. Kadyrow wird nicht mit den Frauen seiner eigenen Mitarbeiter Krieg führen, er kommt so schon kaum zurecht und wird nicht an zwei (innere und äußere — Anm. d. Red.) Fronten kämpfen können.
Das tschetschenische Volk nimmt die Kadyrowzy überhaupt nicht als Tschetschenen wahr. Wir nehmen sie als Verräter, Verbrecher, Putins Fußsoldaten wahr.
Unser Volk kämpft 300 Jahre lang mit der Besatzung. Uns hat das Russische Reich besetzt — wir kämpften. Kommunisten kamen, uns deportierte man. Wir begannen wieder zu kämpfen, befreiten unseren Staat, riefen Itschkerien aus, kämpften. Es kam die Russische Föderation, besetzte wieder. Für uns waren solche Verräter wie die Kadyrowzy zu allen Zeiten, wir sind es gewohnt mit ihnen zu kämpfen. Wir können sie nicht wie Tschetschenen behandeln, sie sind kein Teil unseres Volkes.