Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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Als sich die Eltern scheiden ließen, schickte mich die Mama in ein Militärlyzeum zum Lernen. Ich hatte überhaupt nicht vor, eine militärische Karriere aufzubauen, ich wollte Drehbücher schreiben und Filme drehen. Aber die Mama sagte, das sei kein Beruf, man müsse Ingenieur werden. Im Endeffekt bin ich Ingenieur, aber in letzter Zeit arbeitete ich trotzdem im Film. Habe mich versteift und bin in diese Sphäre gegangen.
2014 sahen wir uns mit dem Vater sehr wenig, ich weiß nicht, welche Ansichten er hatte, aber etwas Besonders Prorussisches sagte er nie. Ich denke, dass er auch jetzt keine Ideologie hat, er hat sie sich selbst zurechtgedreht.
In den Jahren 2016–2017 hatte ich sehr starke Wut auf den Vater, es war kränkend. Dann ging diese Wut weg, ich ließ es los. Ich will dafür keine Verantwortung übernehmen. Jetzt lache ich mehr über ihn, ein wenig spotte, ohne Wut.
Am 22. Februar unterzeichnete Putin den Erlass über die Anerkennung der „DNR“ und „LNR“, und ich wusste schon zu hundert Prozent: das ist der Beginn der umfassenden Invasion. Ich schrieb dem Vater am 22.: „Na, es wird Trubel geben. Bist du bereit? Schnall dich an!“
Am 24. Februar rief die Mama an: „Sohn, es hat begonnen“, ich: „Verstanden, gut“. Sie begannen auf Kyjiw zu marschieren, ich dachte: „Oh, weit muss man nicht gehen, alles in der Nähe, zur Hand“ — und ging ruhig zur Armee. Ich war moralisch vollständig bereit. Schrieb dem Vater: „Ihr seid Idioten“. Er schwieg.
Etwas später schrieb er: „Nimm die Waffen nicht in die Hand, Kyjiw wird sofort eingenommen“. Im März schrieb er, dass die Ukraine nicht lange durchhalten werde, Selenskyj sei nach Europa abgereist und es sei aus mit uns. Ich war in diesem Moment im Wald und nahm ihm ein Video auf: „Ich gehe und gehe — kann keine Russen finden, irgendwo sind sie verschwunden. Kannst du einen Hinweis geben, sonst ist es unklar?“. Er schwieg.
Er bleibt bei seinem: „Kämpfe nicht, ihr werdet nichts erreichen“. Ich antworte ihm immer: „Etwas sehe ich keine [eurer] Ergebnisse“ oder „Vater, bei dir scheint sich Altersdemenz anzubahnen“. Er schreibt, na, jetzt wird sich alles ändern. Aber ich sehe, dass bei ihm die Hoffnung auf den Sieg Russlands erlischt.
Er glaubt, dass in Butscha und Irpin — das alles Fake sei. Ich schreibe ihm: „Mensch, ich war dort, ich habe das alles gesehen“. Dasselbe, als wir nach Isjum kamen. Sie haben dort ihre eigene Realität, ich beweise ihm nichts mehr.
Er sagt: „Du bist in jedem Fall mein Sohn“. Einmal schrieb er sogar: „Oh, du hast eine schöne Uniform“. Wenn er fragt, wie es geht, [sage] ich ihm: „Alles gut, ich arbeite“, oder: „Ich arbeite, wir haben Gefangene gemacht“.
Würde ich meinen Vater töten? Wahrscheinlich nicht. Bis etwa 15 war der Vater an meiner Seite. Er hat mich vieles gelehrt, einschließlich des militärischen Handwerks. Ich könnte ihn nicht töten, selbst wenn ich wollte, er nimmt nicht an Kampfhandlungen teil, sitzt irgendwo im Stab. Aber vor Gericht würde ich ihn schicken, das ja.
Mein Vater ist in der Datenbank „Mirotworez“ eingetragen (ukrainische Datenbank und Forschungszentrum für Verbrechen gegen die nationale Sicherheit der Ukraine, den Frieden und die internationale Ordnung — Anm. d. Red.). Meine Vorgesetzten wissen davon. Und kennen meine Position: ich war immer für die Ukraine. Ja, ich kommuniziere selten mit dem Vater, aber keinerlei Daten gebe ich ihm weiter.
Mitsoldaten scherzen, dass ich ein Diversant sei. Wenn wir zum Angriff übergehen, sagen sie: „Teile dem mit, wem du es musst, dass wir kommen“. Aber überhaupt habe ich ihnen sofort von der Situation mit dem Vater gesagt, ich beschloss für mich, offen über dieses Thema zu sprechen. Alle nahmen es normal auf, das ist keine seltene Geschichte.
Aber in meinem Leben gibt es ihn schon nicht mehr. Und es wird ihn nicht bei meinen Kindern geben. Manchmal tut es mir weh, dass sie faktisch keinen Großvater haben werden.
Ich denke, zusammen mit dem Krieg wird unsere Kommunikation mit dem Vater zu Ende gehen. Andererseits, warum sollten wir nicht kommunizieren können? Ich werde ihn unbedingt im Gefängnis besuchen, jeden Tag, das ist nicht schwer.




