Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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4-5 Tage bombardierten unsere aktiv die Militärbasis. In der Stadt herrschten bei den [prorussischen] Menschen Stimmungen wie: „Ha-ha-ha, denen wird nichts gelingen“. Und am 7. September gingen wir hinaus, eine Frau, mit der wir lebten, kommt gerannt: „Mädels, unsere kommen!“.
Wir gingen alle hinaus, Kolonnen unserer Technik fahren, unsere Burschen, wir begannen sie zu umarmen, freuten uns, wisst ihr — du weinst und kannst nicht atmen. Wir begannen zu verstehen, dass man uns nicht vergessen hat und wir schon unter Schutz sind.
Davor fürchteten wir jeden Tag, dass uns jemand töten würde, dass wir jemandem nicht gefallen würden. Und wenn du jung bist, durftest du überhaupt nicht hinausgehen, weil man dich noch vergewaltigen konnte.
Als der Krieg im Donbas begann, war unsere Stadt daran beteiligt, weil bei uns Panzer repariert wurden. Das Gefühl der Panik hat mich seit 2014 nie verlassen.
Vom ersten Tag des [umfassenden] Krieges an wurden wir bombardiert. Bei uns in der Stadt befindet sich eine Militärbasis, eines der größten Militärarsenale in Europa.
Nach 6-8 Tagen kamen russische Truppen. Anfangs beleidigten sie niemanden, wir alle arbeiteten sogar, sie hatten nicht sehr viel Kontakt zu uns. Sie konzentrierten sich sofort auf die Militärbasis und auf das Reparaturwerk (Balaklijaer Reparaturwerk — Anm. d. Red.).
Dann kamen sehr viele Busse mit DNR-lern in unsere Stadt, sie schlossen die Stadt für die Aus- und Einreise vollständig. Sie brauchten ein Schild, damit dort Menschen blieben, vor allem Kinder.
Sofort konnte ich nicht ausreisen, dachte, gleich wird alles zu Ende sein. Und dann gab es schon keine Möglichkeit. Von Dorf zu Dorf konnte man auch nicht ausreisen. Über Brücken verboten sie zu fahren. Höchstwahrscheinlich, damit man keine Markierungen setzte.
Sie begannen durch die Häuser zu gehen, herauszufinden, wer wo wohnt. Es begannen Menschen zu verschwinden. Und zwar massenhaft. Zuerst verschwanden zwei junge Burschen, sie arbeiteten in einer Bestattungsagentur, bis jetzt sucht man sie. Dann hatten sie Hinweise auf irgendwelche Autos, dass sie mit der Ukraine zusammenarbeiten. Diese Burschen begannen auch zu verschwinden.
In unserer Stadt, wie in jeder, gibt es ein Bezirksamt [der Polizei]. Dort gibt es einen Keller mit Gittern, wie ein Gefängnis. In diesem Keller hielten sie Menschen. Sie schlugen sie, zogen alle Frauen, Männer nackt aus. Fütterten sie nicht.
Sehr viele meiner Angehörigen gerieten dorthin, die Freiwilligenarbeit machten, Essen, Medikamente fuhren. Sie wurden gefoltert. Alle Frauen mit Blutungen, weil sie vergewaltigt wurden.
Nachdem die Menschen aus dem Keller herauskamen, sprachen sie entweder überhaupt nicht mehr mit jemandem oder förderten aktiv die russische Welt: dass es uns gut sein wird, wie wir leben werden. Das war Massenterror, dass wir für Russland sein müssen.
Eine gute Bekannte von mir war in diesem Keller. Sie sprach nicht [darüber], während wir auf dem Gebiet von Balaklija waren. Dann fuhren wir aus, und sie sagt, dass das, was sie dort tun, nie jemand vergessen kann.
Sie wussten alles über alle. Jemand arbeitete mit den Besatzern zusammen. [Erzählte], wo wessen Frau ist, wo wer arbeitete, ausgereist oder nicht. Ich weiß, dass man persönlich mich suchte, weil mein Mann dient, er hat einen Rang.
Ich lebte nicht in meiner Wohnung, versteckte mich. Ich wandte mich an Menschen, denen ich vertraue, wir waren vier Familien, 8 Kinder. Wir alle waren entweder im Haus oder versteckten uns im Keller, und nur ein Mensch ging hinaus.
Wir pflanzten einen Garten, wir hatten unsere Kartoffeln. So ernährten wir uns auch. Es gab irgendwelche Vorräte und sie gaben humanitäre Hilfe. Dort war mehr für Kinder. Sie für diese humanitäre Hilfe: „Werdet ihr für uns abstimmen? Werdet ihr am Referendum teilnehmen? Wir füttern euch doch so gut“.
Meine Kinder sind 8 und 10, ein Mädchen und ein Junge. Ich sprach sehr viel mit ihnen, schweigen durfte man nicht, weil sie sich dann verschlossen. Sie verstehen nicht, wofür das alles, warum man uns töten will. Mir reicht der Wortschatz nicht, dem Kind zu erklären, was geschieht. Aber sie nahmen Kraft von mir, und ich nahm Kraft von ihnen.
Sie störten die Verbindung, sie war an zwei Punkten, auf den Platz musste man gehen. Sie verfolgten diejenigen, die gehen, um anzurufen, und dann gingen diese Menschen periodisch gemeinsam in die Keller. Es gab Verhöre: „Wohin ruft ihr an? Worüber sprecht ihr? Was wird euch erzählt?“.
Niemand ging mit Telefonen auf die Straße. Wir alle reinigten Telefone bis null. Löschten Messenger. [Wenn] wir mit den Kindern [aus dem Haus] hinausgingen, wussten sie, dass man sich leise verhalten muss, man darf keine Aufmerksamkeit erregen, laut sprechen.
Russen gingen überall hin, nahmen alles, was sie brauchten, als ob es ihres wäre. Eine Bekannte von mir hatte ein Privathaus und Fenster mit Gittern. Sie kamen, rissen diese Gitter mit dem Auto am hellichten Tag heraus und trugen alles heraus, was sie brauchten.
Sie stellten Willkür an und fürchteten nicht, dass irgendetwas der einheimische Bewohner erzählt. Oder sie verstanden, dass man uns alle einfach vernichten wird, ganz am Ende.
[Anfangs] ließen sie keine Menschen aus den Dörfern hinein, die irgendwelche Produkte auf den Markt bringen konnten. Dann hatten sie eine Geste guten Willens — sie öffneten die Einfahrt für Menschen aus den Dörfern auf die Märkte, ließen Busse hinein.
Die Preise waren kosmisch. Der Markt funktionierte, aber Strom gab es nicht überall, deshalb kaufst du nicht viel. Wir kauften Fleisch und konservierten, machten Eintopf, Tomaten konservierten wir auch.
Geld war es schwer in bar abzuheben, Kollaborateure verdienten daran. Geldautomaten funktionierten nicht, du hebst durch diese Leute 1000 Hrywnja ab und bekommst 500. 50% — Provision.
Das ganze Geschäft zwangen sie nach Kupjansk zu fahren und Dokumente umzuändern, dass sie Privatunternehmer der RF sind. Um nach Kupjansk auszureisen, musste man bis zum Dorf Neftjanikow fahren, ihnen seinen Transport überlassen. Der Transport war als Bezahlung für das Geschäft.
Ich hatte mein eigenes Geschäft, aber ich hörte sofort auf zu arbeiten, weil ich nicht mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Wenn du zu ihnen arbeiten gingst, dann musstest du unbedingt deinen Pass wechseln.
Viele Menschen waren so eingestellt, dass die Ukraine uns vergessen hat. Sie sagten: „Du siehst doch, dass es über uns nichts gibt, sogar in den öffentlichen Kanälen“. Über Isjum sprachen sie, über Balaklija — nein, schwiegen unsere Behörden maximal, aber wir verstehen jetzt, warum sie schwiegen — bereiteten einen plötzlichen Schlag vor.
Unsere Soldaten [als sie kamen, ] erklärten uns: bleibt noch einen Tag zu Hause. Es gab Kämpfe in der Stadt. Die ganze Zeit war Maschinengewehrfeuer in der Stadt zu hören, das ist schon keine schwere Technik, sondern Menschen gingen auf Menschen. Das war nicht lange, 80% der Besatzer flohen einfach, ließen alles.
Einheimische halfen unseren Streitkräften der Ukraine sehr stark. Sie gaben Markierungen, schickten Geolokationen, wo sie sich verstecken. Im Moment ist die Stadt sauber, bei unseren dauerte es drei Tage, um die Stadt vollständig zu reinigen.
Als es ruhiger wurde, kam ich zu unseren und sage, dass ich ausreisen will, dass ich anfangen will zu atmen.
Mir half man, am 8. September nach Charkiw auszureisen.
Wir fahren weiter, ich will, dass die Kinder wenigstens etwas das alles vergessen. Damit sie sich ablenken, in die Schule gehen. Ich will zur Arbeit gehen, aber nicht weil ich Geld verdienen will, ich will einfach anfangen zu leben, ich will mich wieder als Mensch fühlen. Ich hoffe, dass in ein paar drei Tagen mein Mann zu uns kommt, er hat doch so lange die Kinder nicht gesehen.


