Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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Lia: [24. Februar] Ich wachte davon auf, dass der Hund bellt, und auf der Straße die Alarmanlage der Autos. Ich frage Ljoscha, was passiert, Ljoscha sagt: „Aha, einfach hat es das Auto erschüttert, schlaf“. Ich so: „Na okay, Ljoscha hat gesagt — ich schlafe“.
Die maximale Möglichkeit perplex zu sein hatten wir am 9. März, als die Großmutter starb, und wir fuhren wegen des Sarges. Wir beschlossen, nach Hause zu fahren, die übriggebliebenen Sachen zu holen. Wir fahren an unsere Kreuzung — da steht ein Panzer mit dem Buchstaben Z, schießt auf unseren Bezirk. Die Mündung beginnt sich zu uns zu drehen. Das war die einzige Situation, als ich Ljoscha nicht schimpfte, dass er mit Tempo 140 durch die Stadt fährt.
Die Großmutter beerdigten wir im Garten. Ljoscha mit Papa gruben 2 Tage in der Kälte das Grab. Sehr viele Menschen wurden in Höfen beerdigt. Ein gewöhnliches 9-stöckiges Haus, Hof, daneben Gräber, Menschen backen Essen, Kinder spielen auf dem Spielplatz. Das Schrecklichste: die Menschen gewöhnen sich daran.
Wir erinnerten uns an Sachen, die Großmütter über den Krieg erzählten, versuchten Kartoffeln zu schälen, damit „Augen“ blieben, und du sie pflanzen konntest. Stellten uns in die Schlange für humanitäre Hilfe, die möglicherweise gebracht wird. Am 10. oder 12. März war ich die 3005. um 9:30 morgens. An jenem Tag sind nur 268 Menschen durchgegangen. Plünderer verstanden auch diese Sache. Es gab 2 Schlangen: eine für humanitäre Hilfe, und daneben — für Zigaretten, die in den Geschäften gestohlen wurden. Ich war die 187. in der Schlange zu den Plünderern, und gekauft haben nur die ersten 30 Personen. Das ist Verzweiflung, wenn du nach Hause zurückkehrst und keine humanitäre Hilfe bekommen, keine Zigaretten kaufen konntest. Du gehst die Straße entlang und siehst keinen einzigen Stummel, den man rauchen könnte. Du verstehst, dass du vielleicht morgen stirbst und wenigstens rauchen wolltest!
Ljoscha: Ich habe [auf der Arbeit] ein Team aus Russland und Spanien. Sie haben sofort einen Chat für ukrainische Mitarbeiter erstellt. Der Direktor sprach, konnte nicht glauben, dass so etwas eingetreten ist. Er ordnete an, dass allen Mitarbeitern sofort einige Monate im Voraus das Gehalt ausgegeben wird, solange man Geld abheben konnte.
In den ersten Kriegstagen waren die Menschen sehr organisiert. Sie brachten Brot — niemand nahm sich alles, maximal 2, und gaben zurück. Dann begann Chaos. Als der Strom abgeschaltet wurde, wurden alle Geschäfte geplündert, alles auseinandergerissen und verstreut, riesige Lebensmittelläden wurden verbrannt. Auf einige versuchte man wie absichtlich zu treffen.
Du wusstest nicht, was im Nachbarbezirk geschieht. Du wusstest nicht einmal, was in der Nachbarstraße geschieht, weil du keine Verbindungsmittel hast. Die einzigen Informationsquellen waren bei uns die Schlange für Wasser und das Radio im Auto, wenn die Russen es nicht störten. Wir hörten Nachrichten und hörten Lieder von Schura oder Pugatschowa, ich werde Schuras Lieder [jetzt] wie nie hassen. Luftalarm war in der Stadt, bis der Strom abgeschaltet wurde. Dann erfuhrst du erst, dass du beschossen wirst.
Lia: Ich hörte: „Riesige Freude, in Mariupol hat sich ein grüner Korridor geöffnet“. Eine halbe Stunde davor kam eine SMS: „Jeder, der die Stadt freiwillig verlässt, wird am Leben bleiben“. Russen schalteten manchmal die Mobilfunkverbindung ein, um SMS von der Nummer 777 zu schicken. Von derselben Nummer kamen Mitteilungen: „Ukrainischer Soldat, ergib dich, geh hinaus auf die Trasse“.
Ich öffne die Tür [des Hauses] und sage: „Der grüne Korridor aus Mariupol hat sich geöffnet“. Wir hören ein Pfeifen, und in diesem Moment trifft es in unser Sommerhaus. Das Auto nahm die Druckwelle auf sich, es ist zerstört. Mama war der Explosion am nächsten, sie beugte sich gerade in diesem Moment, um Sachen in die Tasche zu legen, alle Splitter flogen über sie. Es kommt noch eine Granate. Daneben stand eine Nachbarin, ihr traf ein Splitter — es schnitt den Kopf, sie ist auf einem Auge erblindet, aber lebt.
[In der Nacht] lag ich im Keller und sagte zu mir selbst: „Bitte, können wir schnell sterben“. Ljoscha sagte, dass man ein Auto kaufen oder jemanden bitten muss, uns wegzubringen, wir so: „Dein Großvater ist aus Auschwitz geflohen. Es wird bestimmt etwas klappen!“.
Ljoscha: Alle beschießen, du läufst, klopfst an jedes Tor, wo du ein Auto siehst. Ich ging etwa 50 Familien ab, alle lachten: „Wer wird dir jetzt ein Auto verkaufen?“. Es kam ein Mann, er hatte 2. Ich sage: „Wofür verkaufst du den Lanos?“. Er sagte zuerst, dass er nicht verkauft, und sagte dann, dass er für 4.000 Dollar verkauft. Wir handelten ihn auf 3.500 herunter.
Menschen standen auf der Straße, Großmütter trampten, hielten 200 Hrywnja [in den Händen]. Du fährst vorbei, fühlst dich wie ein Vieh. Du denkst: „Wie sie unterzubringen?“. Und du verstehst, dass überhaupt nicht. Wir fuhren 20 Kilometer von Mariuopl weg, und uns entgegen schon Militärautos mit Z, Autos der russischen Polizei, DNR-Kennzeichen. Am ersten Kontrollpunkt wurden wir herausgeführt, in den Keller mit Sturmgewehren. Mich zogen sie vollständig aus, suchten Tätowierungen, blaue Flecken vom Kolben [an der Schulter, beim Rückstoß während des Schießens]. Ich zeigte den russischen Pass — ihnen war es überhaupt egal.
Wir reisten aus der Besatzung aus, [am ukrainischen Kontrollpunkt] zeige ich meinen russischen Pass und Auslandspass. Mir ist es so unangenehm. Der Typ lachte über mich: „Mach dir keinen Stress. Was redest du“. [Überhaupt] hatte ich nicht einmal einen Fall in der Ukraine mit der russischen Sprache und dem roten Pass, dass mir etwas Beleidigendes gesagt wurde.
Lia: Die meisten negativen Emotionen hatte ich, als ich russische Soldaten sah. Sie wurden gleichsam aus dem Gefängnis entlassen und es wurde gesagt: „Fass!“. Solches Vieh. Sie sind ekelhaft, alle ungewaschen, grinsen. Dumme Gesichter, dumme Augen. Mich „freute“ sehr ein Typ, der versuchte herauszufinden, ob wir Drogen und Alkohol haben. Er sagte: „Wir brauchen das einfach sehr“.
Wir beschlossen anfangs, dass wir nach Berlin fahren werden. Papa hatte einen Infarkt. Er ist mit uns. Mama auch mit uns. Die Eigenen verlassen wir nicht. Sogar die Katze, gegen die Ljoscha allergisch ist.
Ljoscha: Mensch, für mich war das Schwerste in der Besatzung — diese Katze, gegen die ich eine schreckliche Allergie habe. Ich wachte vom Ersticken auf. Hoffte, dass wenn das Essen ausgeht, würden wir kollektiv beschließen, diese Katze zu essen.
Wir fühlen sehr viel Unterstützung von den Deutschen. Burschen gaben einfach ihr Häuschen, das sie [normalerweise] für 200 Euro pro Nacht vermieten. Eine Odessaer Freundin empfahl mich dem Organisator einer Ausstellung [zeitgenössischer ukrainischer Kunst „Das eingenommene Haus“], ich schickte Werke, mir wurde gesagt: „Klasse, wir nehmen!“.
In der Seele mehr Ukrainer als Russe seiend, fühle ich [trotzdem] meine Schuld. Trauma — zu verstehen, dass der Staat, in dem du geboren bist und 20 Jahre gelebt hast, so einen Albtraum anstellt, und das wird vom Volk unterstützt. Ein Mensch, der Soldat geworden ist, hat tausend Möglichkeiten, keine Häuser zu zerstören und keine Zivilisten zu töten: er kann sich gefangen geben, in den Boden schießen, sogar ins Gefängnis gehen, aber das einzige, was er wählt — ist zu töten.
Niemand verhält sich schlecht zu Russen, sogar nach allem, was geschehen ist. Wir sprachen in Uschhorod auf Russisch. Ich konnte sogar eine Versicherung fürs Auto abschließen, indem ich der Frau den russischen Führerschein zeigte.
Russland hat so viel Schmerz gebracht! Brudervolk zu nennen, und dann zu kommen und kaltblütig so etwas anzustellen. Das ist einfach ein Albtraum.




