Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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Anfang Februar begann man uns in der „DNR“ moralisch auf den Krieg vorzubereiten. In örtlichen Telegram-Kanälen und russischen Medien hieß es, dass DRG (Sabotage- und Aufklärungsgruppen — Anm. d. Red.) und Partisanen alles verminen. Dann wurde in Donezk ein alter UAZ gesprengt und als Auto eines örtlichen Beamten ausgegeben, in der Oblast Rostow wurde angeblich ein Schuppen von Grenzern gesprengt. All das begann man aufzubauschen, etwa, bei uns finde Genozid statt. Obwohl wir die letzten sechs Jahre ziemlich ruhig lebten, nur die ersten zwei Jahre waren wirklich laut.
Am 15. Februar erfolgte die Erklärung [eines Abgeordneten] der russischen Duma, dass Russen bereit seien, das 13. Gehalt für das Wohlergehen des Donbas zu geben. Bei mir begann Panik, ich kaufte mir Tickets nach Eriwan für März. Und am 18. Februar verkündete man Evakuierung und Mobilisierung.
Seit Beginn der Mobilisierung saß ich zwei Monate zu Hause. Kommunizierte mit Burschen im Telegram-Chat, den ich selbst erstellte, wir besprachen, wie auszureisen. Sah den Kanal von Wolodymyr Solkin, der Interviews mit Kriegsgefangenen aufnimmt, um zu verstehen, welche Menschen gefangen wurden, dort Bekannte zu sehen.
Gefangene erzählten immer: „Mich fing man, als ich nach Zigaretten ging, nach Essen“. Die Kommandantur liebt es, durch Mikrobezirke zu gehen, langsam unter Häusern vorbeizufahren, Männer zu beobachten. Glücklicherweise musste ich nicht auf die Straße gehen, um Lebensmittel zu kaufen, weil ich mit den Eltern lebte.
Über Mund-zu-Mund-Propaganda erfuhr ich, dass für jeden [mobilisierten] Mann der Kommandantur Geld gezahlt wird. In Donezk erfährt man Informationen über alles, was im Inneren passiert, darüber, wem Schmiergeld zu geben, damit man dich nicht anrührt — so.
Mitte April fanden wir mit der Familie einen Weg auszureisen. In der Oblast Rostow waren wir zwei-drei Tage, kamen zur Grenze mit Georgien und gerieten dann nach Armenien.
Als ich nach Eriwan kam, verstand ich, dass ich der Mensch bin, dem [in Donezk] zugehört wird. Ich bin aus Donezk, ich bin nicht voreingenommen. Ich habe diese ganze Zeit nicht unter sogenannter „ukrainischer Propaganda“ gelebt, sah alles mit eigenen Augen. Wenn ich ein Video aufnehme darüber, dass bei uns Männer einfach genommen werden, dass das einfach Vernichtung der Bevölkerung der Stadt ist, kann das jemanden umstimmen.
So führte ich TikTok ein. An einem Tag konnte ich drei-vier Videos drehen. Hauptsächlich nahm ich auf, wie die Mobilisierung verläuft und wie man ihr entgehen kann. Einigen Menschen konnte ich helfen.
Ich hatte ein Video über Gehälter und Lebensmittelpreise in Donezk und in Kyjiw. Ich fand bei Google Vergleichstabellen für Friedenszeiten und nach 2014. Ich nahm diese Statistik, sprach den Text ein und montierte das alles, zur Veranschaulichung legte ich einen Screenshot mit den Daten unter. Ich wollte, dass die Menschen selbst Schlüsse ziehen.
Wir mit einem Kameraden machten ein Video über den Beschuss der Kyjiwer Bezirksverwaltung in Donezk, der noch im Februar erfolgte. Wir kamen zu dem Schluss, dass er von der ukrainisch kontrollierten Seite nicht hätte erfolgen können. Ein ukrainisches Medium nahm es ohne meine Zustimmung und lud es bei sich auf YouTube Shorts hoch. Es wurde unter der älteren Generation bekannt, wo es viele Watniks gibt.
Bekannte Familien begannen meine Angehörigen anzurufen, zu sagen, was für einen Schwachsinn ich aufgenommen habe und „diese Aufruhr beenden muss“. Es rief ein ziemlich hochrangiger unter den Separatisten an, warnte, dass MGB-Mitarbeiter (Mitarbeiter des „Ministeriums für Staatssicherheit der DNR“ — Anm. d. Red.) mir drohen.
Als man mir zu drohen begann, sprachen wir mit den Eltern menschlich. Ich sagte, dass ich um ihretwillen meine Tätigkeit beenden werde, aber für eine Zeit. Sie verhielten sich dazu schlecht, freuten sich aber, dass ich alles bereinigt hatte (Daniil löschte den Großteil der Videos auf TikTok, aber das Video, wegen dem ihm gedroht wurde, ist immer noch auf YouTube — Anm. d. Red.). Die Eltern meinen, dass ein Mensch allein nichts entscheidet, alles entscheiden große Politiker.
2014 besprachen wir mit den Eltern wenig die politische Seite. Wir fürchteten, dass [während der Kampfhandlungen] in die Wohnung einschlägt, jemand verletzt wird. Und wer recht hat, wer schuld ist — das war besonders nicht interessant.
Bei uns [in Donezk] gab es proukrainische und prorussische Kundgebungen. Ich lernte damals in der sechsten Klasse und ärgerte mich, dass sie mich daran hinderten, nach Hause zu kommen.
Der schrecklichste Moment für mich war im August 2014. Damals wurde irgendein unser Eigentum von einer Granate vernichtet. Der zweite Moment — im Februar 2017, als neben unserer Wohnung eine Explosion erfolgte.
Nach der Schule hatte ich das Bestreben, in Tschechien oder in Armenien zu studieren. Aber nach Europa ließen mich die Eltern nicht — sie sagten, etwa, du wirst zu weit von uns weg sein, wir können dir nicht helfen. So studierte ich an der Universität in Donezk.
Ich finde das nicht zu schrecklich. Ich hatte Glück mit dem Kollektiv und den Lehrern. Zum Beispiel halfen mir Lehrer bei der Suche nach Remote-Arbeit in Europa.
In meinem Lyzeum gab es ziemlich progressive Ansichten. Man gab uns russische Geschichtslehrbücher, und der Lehrer sagte: „Werft diese Scheiße weg, wir werden normal lernen“. Wenn wir die Kursker Wendung besprachen, sagte er, dass dieser Wendepunkt — eine Errungenschaft der ganzen Sowjetarmee ist, nicht nur der russischen, wie im russischen Lehrbuch steht.
Bis 2016 schaute ich begeistert auf YouTube Videos von Anatoli Schari (prorussischer Propagandist — Anm. d. Red.). Unter dem Einfluss der Propaganda hatte ich absolut Watnik-Ansichten. Dann stieß ich auf einen ukrainischen Blogger mit einer anderen Position, Aleksej itpedia Schewzow. Dank ihm begann ich, Probleme rundherum zu bemerken.
Meine Stadt nach 2014, anstatt sich mit demselben Tempo wie Kyjiw oder Charkiw zu entwickeln, starb und stirbt nach wie vor. Anfangs spürte man das nicht so stark, aber nach 2017 begann die Leiche zu verfaulen. Damals hörten Lieferungen ukrainischer Waren und Zusammenarbeit mit ukrainischen Unternehmen auf. Maximal kränkend war es, das zu beobachten.
Meine Eltern landeten in der Ukraine in den 1990ern wegen des Krieges in Armenien. Sie flohen vor einem Krieg, gerieten in einen anderen. 2015 hätten wir nach Deutschland emigrieren können, aber die Eltern verhielten sich dazu unterschiedlich. Nach dem 24. Februar hatten wir absoluten Konsens: man muss ausreisen.
In Armenien fühlen sich sowohl russländische als auch ukrainische Armenier gleichermaßen als Nicht-Einheimische. Wir haben eine zu europäisierte Kultur in uns aufgesogen, und hier sind die Menschen ziemlich konservativ. Deshalb ist es hier etwas schwer, aber besser als in der Besatzung mit dem Risiko, an die Front geschickt zu werden und zu sterben.
Ich würde Armenien nicht als wütend prorussisch bezeichnen. Hier gibt es verschiedene Ansichten. Das ist keine „DNR“, wo auf dem zentralen Platz Plakate „Russischer Donbas“ und „Unsere Wahl — Russland“ hängen.
Ich bin Armenier, der in der Ukraine geboren wurde, ein ukrainischer Armenier. Nach dem 24. Februar habe ich mich stark ukrainisiert. Eine meiner Heimaten versucht man zu vernichten. Nach dem Krieg plane ich dort zu leben und zu arbeiten, damit meine Steuern auf ihren Wiederaufbau gehen.



