Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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Am Samstag rief mich die Mama zum ersten Mal seit 10 Tagen an. Davor fühlte ich mich wie ein Kind, das als letztes im Kindergarten geblieben ist und das man vergessen hat abzuholen, weil viele meiner Bekannten, die in Mamas Nachbarschaft leben, Nachrichten zu erhalten begannen. [Als sie anrief, ] dachte ich ehrlich gesagt daran, dass es besser gewesen wäre, eine SMS zu bekommen.
Es war ein Anruf, als ob ein Mensch, der in der Hölle ist und der gerade jetzt gefoltert wird, hätte nach oben durchwählen können. Meine Mama ist eine sehr starke Frau, die in diesem Leben sehr viel durchgemacht hat, ich kenne keine stärkere Frau, und sie schluchzte den ganzen Anruf und sagte alle paar Worte „mir ist es bange“. Sie sagte — und meine Mama ist Lehrerin, Lehrerin der höchsten Kategorie mit dem Titel Lehrerin des Jahres und so weiter — „ich brauche scheißegal nichts in diesem Leben, überhaupt nichts, Hauptsache, hier rauszukommen“. Am 2. März war ihre letzte Nachricht an mich: „Ich werde lange leben!“, in 10 Tagen verwandelte sich das in „ich hoffe, dass wir uns wenigstens noch einmal sehen“.
Nach diesem Anruf war ich halb tot, denn meine Mama wird im Juni 52, und am Telefon war ein verängstigtes kleines Mädchen, das sagte: „Ich flehe dich an, ich bitte dich, bitte sag mir, sag mir, dass etwas getan wird, um uns zu retten, ich flehe dich an“. Und du sagst: „Na ja, sie versuchen es, aber bisher klappt nichts“.
Am Samstagabend rief sie mich erneut an und erzählte, warum sie so einen starken Nervenzusammenbruch hatte: Sie ging in den Hof, um Kartoffeln zu kochen, und als sie zurückkehrte, begann es sehr stark zu schießen, und sie war noch nicht in der Wohnung angekommen.
Meine Angehörigen wohnen im 7. Stock und gehen nicht in den Keller hinunter: sie verbrachten dort einen Tag, aber dort ziehen Zugluft, und meine Großmutter begann dort zu frieren. Sie hat gesundheitliche Probleme, die Medikamente gehen zu Ende, sie ist 79 Jahre alt, es ist ziemlich schwer, zu Fuß in den 7. Stock hinaufzusteigen, und im Keller zu sein ist unmöglich.
Am Samstag gab ich ihr eine der stärksten Motivationen, die ich kann: „Mama, ich bin mehr als sicher, dass es Papa nicht mehr gibt“. Denn ich weiß, dass meine Mama versuchen wird, alles zu tun, damit ich nicht allein bleibe. Sie sagte: „Wenn nicht in unser Haus einschlägt — und sie schlagen normalerweise in den siebten-sechsten Stock ein —, dann werden wir alles tun, um hier rauszukommen“.
Ich bin sicher, dass der Vater und die andere Großmutter schon nicht mehr am Leben sind. Ich versuchte zu erreichen, dass die Wohnung aufgebrochen und sie herausgeholt würden, kam sogar bis zur Einheit durch, die die Stadt verteidigt. Natürlich konnten sie nicht helfen, und dann sah ich Fotografien von Massengräbern und so: nein, sollen sie lieber liegen, ich will nicht später in die Stadt zurückkehren und nicht wissen, wo sie sind.
Ich sagte meiner Mama heute: „Ich glaube nicht an Gott, aber an dich glaube ich, und wage nicht zu sagen, dass du da nicht rauskommst“. Ich konnte sie noch nicht überzeugen. Und das ist ziemlich schwer — am meisten habe ich Angst, dass sie so verzweifelt, dass sie es wirklich glaubt und ihr die Hände sinken, dafür zu kämpfen, denn es sind nur noch Kartoffeln und zwei Päckchen Brei übrig.
Ehrlich, ich habe Angst, sie zu sehen, ich habe Angst zu sehen, wie sehr sie in dieser Zeit gealtert ist. Denn das ist ungerecht, und sie hat es nicht verdient. Niemand aus meiner Familie hat das verdient.
Ich fühle jetzt eine umfassende Liebe zu allen Umstehenden, mir schreiben sehr viele Menschen, mit denen ich irgendwie in der Vergangenheit verbunden war, die mir wahnsinnig viel Schmerz zugefügt haben, sie schreiben mir und sagen, wenn etwas nötig ist, schreib. Und ich fühle ihnen gegenüber absolut keinen Schmerz, Hass oder etwas anderes, denn all das ist auf jene Menschen gerichtet, die meine Mama zum Weinen bringen.



