Der Text des Interviews aus dem Instagram-Beitrag
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- Der Anfang.
2014 wurden wir „befreit“, der Krieg war in meiner Stadt. Wir haben so einen Bezirk, Slawkurort heißt er. Sie schießen auf die Stadt, als wären [sie] — Ukrainer. Und das sind irgendwelche Russländer, umgezogene FSB-Mitarbeiter.
Mörserbeschuss — und das war’s (bei diesem Beschuss kam die Frau von „Balu“ ums Leben — Anm. d. Red.). Du glaubst nicht, verstehst nicht… Keinerlei Zustand. In jenem Jahr war der Sohn 15.
Ich wurde Soldat [danach]. Unterschrieb einen Vertrag und ging dienen. Ich dachte nicht einmal darüber nach, wie das Land zu verteidigen ist. Einfach muss man, und das war’s. Ich fuhr überall, arbeitete: Mariupol, Sjewjerodonezk, Lyssytschansk.
Der Sohn war bei [meiner] Mama und Schwester, wir mit ihm sahen uns schon nicht mehr richtig. Die Schwester hat ihn aufgezogen, kann man sagen. Ich fuhr weg, kam an, schickte Geld an Mama.
Gefangenschaft. Folter mit Elektroschocker.
Mich nahm man [2017] in Heleendschik in Gefangenschaft. Nach der Legende war ich Bauarbeiter, Bauleiter auf einer Baustelle. (Zu jenem Zeitpunkt arbeitete „Balu“ im Aufklärungsdienst — Anm. d. Red.). FSB-Mitarbeiter kamen, brachen mir die Rippen und brachten mich weg. Ich verlor in 10 Tagen 15 Kilogramm.
Sie schlugen mit dem Elektroschocker auf den Kopf. Bei mir klingelt es bis heute Tag und Nacht ständig in den Ohren. Sie steckten zwischen die Finger ein Pistolenmagazin, traten auf männliche Organe, traten auf das Kniegelenk, bogen das Knie in die andere Richtung. Wer wollte, kam und trat: „Ah, Bandera-Schweinehund!“, — und schlugen mich mit Füßen.
[Ich war in Gefangenschaft] acht Monate, mich tauschte man aus. Ein Jahr war ich in Rehabilitation. Das ist das Leben. Von außen kann es jetzt scheinen, dass das ein Albtraum ist, aber zu jener Zeit war es normal. Der Mensch ist so ein Wesen — er passt sich an alles an, gewöhnt sich an alles.
Onkel und Bruder. Prorussisch.
Der [Cousin]-Bruder aus Kramatorsk, sie fuhren auf die Krim [mit der Familie]. Bruderchen lernte dort, wurde Seemann. Stieg auf, wurde Major der Schwarzmeerflotte, diente auf [Kreuzer] „Moskwa“.
Er traf eine Wahl, blieb nicht in der Ukraine. Ich weiß nicht warum, aber er meinte, dass man in Russland normal lebt. Mir ist nicht zu verstehen, warum das so ist.
[In die Ukraine] kam der Onkel — sein Vater. Wir beerdigten dort einen anderen Onkel im Januar 2022. Er wusste nichts über mich: womit ich mich beschäftige, wo ich arbeite.
Er kommt zu mir, umarmt mich und sagt: „Macht nichts, haltet durch, wir werden euch am 22. Februar befreien“. Ich so: „Vor wem wirst du mich befreien? Mich vor mir? Oder vor meinem Zuhause?“.
Der Bruder [schrieb]: „Hol den Sohn, kommt auf die Krim, wir verstecken euch hier“. Ich sage: „Was redest du? Welche Krim? Mich hätten eure fast für 20 Jahre eingesperrt“.
[Dann] sagt er: „Wir kommen. Wir sind schon in Kyjiw“. Ich sage: „Ich bin auch in Kyjiw, aber ich sehe euch nicht. Komm her“. Kam nicht.
Er sagt: „Na was, wirst du auf mich schießen, wenn du mich siehst?“. Ich sage: „Wenn du mit Wodka kommst, dann setzen wir uns hin und trinken. Und wenn du mit Sturmgewehr kommst, dann werde ich“.
Der Bruder antwortet: „Aber ich würde nicht auf dich schießen“. Etwa, er sei normal, und ich sei Faschist, töte die Eigenen. Für mich blieben sie alle Verwandte. Ich bin für sie ein Feind, nicht sie für mich.
Wir hörten nicht auf zu kommunizieren. Sie alle rufen an und sagen, dass ich verrückt bin, ich Faschist, kämpfe mit dem eigenen Volk. Ich versuche ihnen zu erklären, dass mein Volk keine Kinder, Frauen tötet, Häuser nicht zerschlägt. Mein Volk sitzt in Kellern.
Ich verstand, dass ich nicht überzeugen kann, weil sie glühende Patrioten Russlands sind.
[Das letzte] Gespräch war kein gutes. Der Bruder mit dem Onkel tranken Bier in der Küche, [riefen mich an]. Sie sitzen leicht angetrunken, weinen: „Ergebt euch! Was, versteht ihr nicht, dass wir euch wegfegen werden?“. Ich sage: „Wir warten auf euch. Kommt, fegt“.
Ich wusste, dass er auf diesem Schiff war [an dem Tag, als der Kreuzer „Moskwa“ versenkt wurde]. Es gibt keine Verbindung zu ihnen. Es ist klar, warum sie nicht ist. (Offiziell anerkennt das russische Verteidigungsministerium die Versenkung der „Moskwa“ durch eine ukrainische Rakete nicht und enthüllt nicht alle Verluste. Dabei wurden ein Teil der Bediensteten als gefallen, ein Teil — als vermisst anerkannt — Anm. d. Red.).
Schmerzhaft, natürlich, aber sie kamen, um uns zu töten. Wir haben sie getötet. Na, heute hattet ihr Pech. Davor hat dieses Schiff so viele Tode gebracht.
Patenonkel. Kämpfte in der „DNR“.
Der Patenonkel auf jener Seite ja auch. Er besetzte das Stadtpolizeiamt in Slowjansk [2014]. Als der [umfassende] Krieg begann, war er in Horliwka, ihm wurde ein Auge ausgeschlagen und der linke Arm abgerissen. Er tötete meine Kameraden, meine Kameraden töteten seine Freunde.
Unter der Ukraine hatte er zwei Wohnungen, ein Haus, ein Auto. Jetzt lebt er in Horliwka, ist Obdachloser, grob gesagt, weil es dort keine Arbeit gibt.
Ich halte ihn nicht für einen Feind. Ich denke, dass man ihn betrogen hat, einfach den Kopf vollgepackt. Ich weiß nicht, was man ihm dort versprochen hat. Ich verurteile sogar die Russländer nicht, ihnen allen ist durchs Fernsehen ins Gehirn gekrochen und gesagt worden, dass wir — der Feind sind. Sie sind einfach zombifiziert.
Wenn ich ihn sähe, würde ich ihn umarmen, mit ihm sprechen. Aber ich verstehe, dass wenn wir uns mit ihm treffen, er beginnen wird, auf mich zu schießen, statt uns zu umarmen.
Sohn. Dient.
Der Sohn war in der Nationalgarde, unterschrieb einen Vertrag [zu Beginn des umfassenden Krieges]. Ich sagte ihm: „Söhnchen, ich will nicht, dass du gehst“. Er sagt: „Papa, ich verstehe dich, aber mir ist egal, was du willst, was du nicht willst“. Und das war’s, ging.
Er war in Slowjansk, befreite Lyman, befreite Isjum, Balaklija. Er hat auch in einem Jahr ordentlich gesehen.
Wenn ich an seinen Standorten vorbeifahre, fahre ich immer zu ihm vorbei, wir umarmen uns immer, trinken Tee und Kaffee. Ich düse oft, fahre durch jene Gegenden.
Wir erholten uns mit ihm. Wärmer wurden die Beziehungen, besser. Er dachte, ich hätte ihn verlassen, als ich 2015 wegging. Ich war ihm nötig.
Jetzt versteht er, dass ich ihn nicht verlassen habe. Wir telefonieren öfter mit ihm, kommunizieren. Er ist um einen halben Kopf größer als ich, und ich bin selbst nicht klein. Er ist zwei zehn Wuchs, so ein gesunder Recke.
Jeden Tag mache ich mir Sorgen um ihn. Wie man sagt, wenn du in den Kampf gehst, wenn du in den ersten drei Tagen nicht stirbst — heißt, du wirst nicht sterben. Die ersten zwei Tage sind vergangen — und schon Beruhigung.
Wir haben schon gesiegt. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass die russische Armee nichts wert ist. Aber ich verstehe, dass das alles nicht spurlos vorübergehen wird. Und dass der Sohn jetzt kämpft — das wird auch nicht spurlos enden.
Wir sind alle — moralische Krüppel, seelisch krank. Jetzt respektieren uns alle, lieben, loben, und der Krieg wird enden — und was sollen wir alle tun? Unbekannt.
Nach dem Krieg werde ich den Sohn zur Rehabilitation geben. Ja und selbst werde ich auch einen Kurs durchlaufen.






